Die Carretera Austral ...
In Puerto Montt beginnt die Ruta 7 die Carretera Austral. Sie löst die Ruta 5 die Panamericana ab und führt von hier 1200km tief hinein ins chilenische Patagonien. Straße der Abenteurer wurde/wird sie genannt. In den letzten Jahren wurden viele Abschnitte der ursprünglichen Schotterpiste geteert. Die legendäre Carretera Austral verliert dadurch und durch das hohe Verkehrsaufkommen ein Stück von ihrem Mythos. Südlich von Coyhaique fährt man wieder auf Schotterpiste mit vielen Schlaglöchern und Wellblechprofil.
Kolonnenverkehr gleich zu Beginn
Kurz hinter Puerto Montt braucht man eine Fähre um einen Fjord zu überqueren. Ich bin fast der Letzte, der auf die Fähre fährt und somit auch der Letzte, der sie wieder verläßt. Nun habe ich den ganzen Korso vor mir. Ein Bus, den keiner überholen will/kann, bestimmt das Tempo und das für 40km bis Hornopiren. – Ist das das neue Abenteuer auf der Ruta 7? Ich sehe es gelassen, habe ja Urlaub und Zeit.
Mit der Fähre von Hornopiren zum Pumalin Nationalpark
Von Hornopiren weiter nach Süden gibt es keine Landverbindung. Man muss hier wieder ein Stück mit einer Fähre fahren. Die Kolonne vor mir biegt ab, so dass ich freie Fahrt zum Ticketoffice habe. Zwei Kunden sind von mir. Wenn Südamerikaner diskutieren muss man als Europäer Stärke zeigen und geduldig sein. Als ich dann endlich am Schalter stehe und ein Ticket für morgen anfrage, sagt man mir dass der nächste freie Platz auf der Fähre übermorgen abends sei. Es gäbe aber die Möglichkeit heute mit der kommerziellen Nachtfähre zu fahren, das kostet dann aber das Doppelte, also 120$. Ich nicke, nun verlangt die Dame Fahrzeugschein und Pass. Beides liegt im Auto, ich wollte doch nur ein Ticket kaufen. Als ich zurückkomme stehen wieder zwei andere vor mir – ich wollte ja Abenteuer haben.
Es ist 15 Uhr, die Fähre geht um 19 Uhr. Ich stelle mich in die bereits vorhandene Autoschlange und warte hier 4h.
Die Fähre ist am Ende wieder bis auf den letzten Platz belegt. Das Gute ist, dass man während der Fahrt im Auto bleiben kann. Ich habe nun 6h Zeit und mache mir etwas leckeres zu Essen.
Um 1 Uhr in der Nacht legt die Fähre wieder an. Nun heißt es im Dunklen einen Schlafplatz zu finden. Nach 20km kommt ein Campingplatz. Der ist allerdings hoffnungslos überfüllt. Ich fahre weiter ohne Ziel und stoppe an einer „Parkbucht “ direkt an der Strasse. Um diese Uhrzeit kommt hier keiner mehr und morgen früh fahre ich gleich weiter
Der Regen von der Nacht hat sich verzogen, das Wetter sieht nun ganz passabel aus.
Lago Negro
nach wenigen km erreiche ich einen Parkplatz mit WC. Der Spatengang bleibt mir somit erspart. Es gibt ein paar Zeltplätze im Wald und auf dem Parkplatz stehen Camper. Ein kurzer Wanderweg führt von hier zum Lago Negro. Der Weg durch einen Regenwald ist ganz nett, vom See sieht man am Ende aber nicht viel.
Da ist der Blick auf den See von der Straße viel schöner.
Unterwegs folge ich aus Interesse einem Hinweisschild zu einem Campingplatz. Es geht ewig lang auf einem einspurigen Weg durch den Wald. Der Camping sieht sehr exklusiv aus, ich habe nicht gefragt was es kostet. Hier im Wald wachsen wie überall unkrautmässig die Mammutblätter oder auch Riesen-Rhabarber genannt. Der Stiel ist, wie beim Rhabarber, essbar allerdings nur in einem bestimmten Wachstumsstadium.
Der Camping am nächsten Tag ist der schönste während meiner Tour entlang er Ruta 7. Ich bin am Nachmittag der Erste hier und kann mir den schönsten Platz suchen. Direkt an einem Fjord bei angenehmen Wetter, einer Flasche Rotwein und einem schönen Sonnenuntergang.
Nicht immer, aber manchmal gibt es auch solch schöne Momente.
Nach der Hängebrücke wird es etwas natürlicher mit interessante Flora. Ziel ist der Hängende Gletscher mit seinen Wasserfällen.
Marmorkapellen
Meine erste Tour in Puerto Tranquillo ist eine Kanutour zu den Marmorkapellen. Ich saß schon lange nicht mehr in einem Kanu, habe aber schnell wieder die Balance gefunden. Es regnet anfangs heftig, später hört es auf und die Sonne kommt etwas.
Wir, 2 Mädels aus Spanien, ich und der Guide, paddeln ca. 30min die Küste entlang. Das Wasser ist sehr ruhig, das macht die Sache einfacher.
In eine der Höhlen kann man hinein paddeln. Das Gestein ist komplett aus Marmor. Es ist faszinierend und wieder eine neue Erfahrung. Wir paddeln sehr entspannt, es macht richtig Spaß.
Gletschertour
Meine Tour am nächsten Tag, ist eine Wanderung zu und auf einen Gletscher. Die Tour ist für mich alles andere als entspannt, aber letztendlich bin ich froh das gemacht zu haben.
Nach einem kurzen Waldstück geht es auf steinigem Gelände entlang eines noch erkennbaren Pfades.
Wir haben 2 Guides. Ein junges Mädchen, sie geht vorraus und Phellipe, der am Ende geht. Das Durchschnittsalter der anderen 5 Teilnehmer dürft 30 Jahre sein. Ich bin mal wieder deutlich drüber und das macht mir etwas zu schaffen. Ich versuche das Tempo der Gruppe mitzuhalten obwohl es nicht mein Tempo ist. Ich komme ins schwitzen und habe stechende Kopfschmerzen.
Je weiter wir auf den Gletscher vordringen umso kälter wird es. Von Beginn an regnet es stetig. Ich friere und zittere am ganzen Körper. Meine nicht wasserdichten Handschuhe sind naß, ich spüre meine Finge nicht mehr.
Als wir das blanke Eis erreichen, werden die Steigeisen angelegt. Unmöglich für mich mit den steifen Fingern. Die Guides helfen nicht nur mir. Phellipe erkennt meine Not, ich bekomme 2 zusätzliche Jacken und trockene Handschuhe. Mir wird langsam wieder warm. Die Kopfschmerzen wurden durch den zu kleinen Helm verursacht. Nachdem ich den Helm wechsle ist auch dieses Problem gelöst.
Ich verlasse das regnerisch Tranquillo und fahre die Carretera weiter in südlicher Richtung.
Regen und Sonne bescheren mir mehrmals tolle Regenbögen.
Öfter sehe ich Camper die frei campen in der tollen Landschaft. Auch treffe ich 5-10 Radfahrer jeden Tag die die Carretera entlang radeln. So wie einst ich das vor hatte. Heute bin ich froh mit dem komfortablen Auto unterwegs zu sein.
Der riesige, türkise Lago General Carrera begleitet mich noch eine Weile. Sogar manche Flüße leuchten in dieser türkisen Farbe.
Guanakos begleiten mich auf dem Weg zur und über den Grenzübergang. Auf der chilenischen Seite gibt es nur eine Polizeikontrolle. Der argentinische Grenzposten ist ein kleines Zimmer ohne Computer, die Formulare werden per Hand ausgefüllt und der Beamte macht das sehr gewissenhaft obwohl hinter mir noch 6 weitere Personen warten. Kontrolliert wird das Auto an beiden Grenzposten nicht.
Die Landschaft im Abendlicht ist atemberaubend. Ich campiere auf einer Seitenstrasse kurz hinter der Grenze. In der Nacht ist es so stürmisch, dass ich um 3 Uhr meinen etwas ausgesetzten Stellplatz verlasse und eine windgeschützte Stelle suche.
Hallo Klaus, dir ist wieder ein eindrucksvoller Reisebericht gelungen. Du reist doch hoffentlich noch lange durch solche Landschaften 😉
Hallo Ralf,
Zwei Berichte sind noch in Planung. Aber jedes Ende ist eine neuer Anfang, oder 😀
Fahre heute weiter zum Perito Moreno Gletscher nach El Calafate
Grüße aus Patagonien
Hi Klaus
Wie heißt es so schön: andere Länder andere Sitten. Landschaftlich einmalig, Infrastruktur, na ja. Da ist mit schnell fahren keine Chance. Dafür kann man aber die tolle Landschaft geniessen. Und überraschenderweise trifft man auch immer Andere, die mit Rad oder Camper unterwegs sind.
Einfach super !
Weiterhin gute und problemlose Fahrt.
liebe Grüße
Udo
Hallo Udo,
Hier sind die Autos an die schlechten Strassen angepasst. Wenn ich mit 20-30 km/h mit meiner Klapperkiste über die Buckelpisten von Loch zu Loch schleiche, werde ich oft von Pickups mit hoher Geschw. überholt. Die haben dann aber dicke Reifen, hohe Bodenfreiheit und keine selbstgebaute Campingausstattung. Aber bisher bin ich fast überall hingekommen mit meiner Klapperkiste und den Rest schaffe ich jetzt auch noch.
Leute treffen ist in Südamerika weniger der Fall. Die mit denen ich Kontakt habe kenne ich von Zentralamerika. Man sieht einige auch Deutsche Autos, aber nur im vorbeifahren. Das Land ist zu groß um sich zu begegnen. Heute stehe ich auf einem Campingplatz in El Calafate wieder ganz allein (bis jetzt)
Viele Grüße
Lieber Klaus, sieht wieder mal alles klasse aus. Respekt vor allem was du machst und erlebst, ich freue mich immer über deinen Reisebericht.
Pass weiterhin auf dich auf. Liebe Grüße und bis bald. Vera K.
Vielen Dank liebe Vera,
Schön dass dir meine Reiseberichte gefallen. Leider geht es langsam zu Ende. Die Zeit war einfach zu kurz 😀
Bis bald