El Chaltén
Die 80km Rüttelpiste haben meinem angeschlagenen Gepäckträger den Rest gegeben. Er ist verbogen und gerissen. Die Gepäckbox hat keinen richtigen Halt mehr. So kann ich nicht weiterfahren. Auf meinem Weg nach El Chaltén übernachte ich auf einem Camping in Gobernador Gregores. Zu meinem Glück im Unglück gibt es hier eine Werkstatt, die sch auf das Schweißen spezialisiert hat.
Ich habe ja auch mal irgendwann schweißen gelernt und ich glaube meine Schweißnähte sahen besser aus. OK, nicht schön aber es hält und der Träger ist jetzt wieder super stabil. Die Werkstatt war aber sehr ordentlich und cool eingerichtet.
Schon bei der Anfahrt nach El Chaltén habe ich, dank schönem Wetter und klarer Sicht, einen tollen Blick auf der Bergmassiv mit Fitz Roy und Cerro Torre. Ich campe 3 Nächte im Garten eines Hostels neben einigen Zelten. Der patagonische Wind läßt die Zelte flattern – bin ich froh im stabilen Auto schlafen zu können.
Am nächsten Tag gehe ich erstmal zur Tourist-Info um mir einen Überblick der vorhandenen Wanderwege zu verschaffen. Das 3-Tages Ticket für den Nationalpark kostet 90€.
El Chaltén ist mit ca. 1600 Einwohnern eher ein Dorf, hat aber einen eigenen Radiosender.
In Chile sieht es, im Gegensatz zu Mittelamerika, überall sauber und aufgeräumt aus. Hier in El Chaltén gibt es sehr viele Unterkünfte und Touren-Anbieter. Die Straßen sind voll mit Touristen und coolen Lokalen.
Ich bin nun schon eine Weile in Argentinien, war aber noch nicht einmal essen in einem Restaurant. Es wird Zeit für ein argentinisches Steak. Pisco Sour gibt es auch hier als Aperitif, eine Gemüsesuppe zur Vorspeise und ein 250gr. Steak. Inkl. Getränke bin ich mit 70€ dabei. Argentinien ist seeeehr teuer. Aber das Steak war richtig gut.
Fitz Roy
Ein Highlight hier im NP ist die Laguna de los Tres mit Blick auf den Fitz Roy. Auf beiden Routen, die dort hin führen, hat man hin- und zurück 20km und einige Höhenmeter zu laufen.
Ich laufe bis zum Gletscher-Aussichtspunkt und kehre um. 12km, in teilweise steilem Gelände, kann ich noch schmerzfrei verkraften und ich habe gesehen was ich sehen wollte.
Ich laufe den Wanderweg El Pilar.
Fitz Roy (3406m), in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, heißt er wegen der oft an der Spitze sichtbaren Wolken Chaltén, was „der Rauchende“ bedeutet.
Als erster Europäischstämmiger beschrieb 1877 Perito Moreno den Berg. Er benannte ihn nach Robert FitzRoy, dem Kapitän des Forschungsschiffes Beagle, mit dem Charles Darwin fast fünf Jahre um die Welt reiste.
Erst am 2. Februar 1952 gelang Terray und Magnone die Erstbesteigung. Am 16. Januar 1986 schaffte Thomas Bubendorfer die erste Alleinbegehung. 1994 gelang Christoph Hainz in knapp neun Stunden die bislang schnellste Solobesteigung. (wiki)
Den Sonntag verbringe ich, bei Dauerregen, im Camper. Das mit dem Steak probiere ich nun mal selbst. 320g Steak kosten im Supermarkt 4€
El Calafate
El Calafate liegt am Lago Argentino. Mit einer etwa dreifachen Größe des Bodensees ist er der größte See in Argentinien; er ist über 15.000 Jahre alt. Er wird von mehreren Gletschern gespeist, darunter dem größten Gletscher von Südamerika, dem Upsala-Gletscher und dem bekanntesten, dem Perito-Moreno-Gletscher. Der See entwässert über den Río Santa Cruz in den Atlantik.(Wiki)
Mit einem komfortablen Katamaran geht es über den Lago Argentino. Die angrenzende Berglandschaft ist beeindruckend
Unser Veranstalter ist Solo Patagonia. Scheinbar einer der größeren in der Region. Als einziges Schiff legen wir am Refugio Spegazzini an. Das Logo des Veranstalters ist allgegenwärtig. Im Refugio gibt es ein Restaurant, ein Fast Food und natürlich Souvenirs. Nach einer ausgiebigen Pause fahren wir näher heran an den Gletscher. Die Handys klicken.
Die Gletscherwand ist riesig. An einigen Stellen leuchtet das Eis, durch die Sonneneinstrahlung, in faszinierendem blau. Unberührte und übermächtige Natur prasselt auf uns ein. Es ist majestätisch wie diese Eismassen sich langsam fortbewegen und trotzdem Jahrhunderte überdauern.
NP Torre del Paine
Ich bin wieder in Chile. Nationalpark Torres del Paine, ein MUST SEE in Patagonien. Ich habe natürlich vorab online ein Ticket gebucht 3 Tage = 60€. Ich hatte gehofft im Park, am Welcome Center, übernachten zu können. Die Ranger sagten mir aber bei der Einfahrt, dass dies seit dieser Saison nicht mehr möglich ist. Super, paßt wieder alles.
Als Radfahrer hat man es da einfacher. Man kann/muß im Zelt übernachten und das ist im Park kein Problem.
Die Nacht bevor ich in den Park fahre übernachte ich auf einem Parkplatz direkt an der Straße, aber mit einem super Ausblick auf Tores del Paine. Nachts war hier wenig Verkehr, ich schlafe einigermaßen gut.
Die Pastellfarben am Himmel faszinieren mich total.
Und dann das ….
Trump-Fans würden jetzt sofort Alien-Alarm geben. Hat schon was Ufo mässiges, oder. Nein, habe ich nicht mit Photoshop gemacht 😀, ist wirklich echt.
Mehrere Wander-Trails starten am Welcome Center. Der kürzeste ist mit 20km der Trail zum Mirador Torres del Paine. Auf halber Strecke gibt es einen Campingplatz. Viele übernachten dort und gehen dann am nächsten Tag zum Mirador. Ich hätte passende Ausrüstung (Zelt) dabei gehabt, habe dann aber doch gekniffen. Hmm, ich bereue es jetzt schon.
Von hier aus kann man auch auf den berühmten W- bzw. O-Trek starten.
Der W Trek (rot) im Torres del Paine Nationalpark ist eine 5-tägige, 80 Kilometer lange Wanderung, die einige der berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Parks zeigt. Die Route führt Wanderer durch atemberaubende Landschaften wie den Grey-Gletscher, das French Valley und die berühmten Torres del Paine-Türme. Der W Trek ist für die meisten Wanderer geeignet und bietet eine Mischung aus anspruchsvollen und mittelschweren Abschnitten. Der Weg ist gut markiert und umfasst Unterkünfte wie Campingplätze und Refugios, die Komfort und Flexibilität bieten.( https://www.hikingexperience.net). Für den 120km langen O Trek (gelb) benötigt man mind. 7 Tage.
Das klingt erstmal recht simple, aber es gibt natürlich keinerlei Versorgungsangebote unterwegs. Für die Dauer der Wanderung muss man neben geeigneter Kleidung, Zelt und Schlafsack auch die Verpflegung dabei haben. Also Nahrung, Topf, Teller, Kocher und Gas. Ich glaube, aus dem Alter bin ich raus.
Puerto Natales
Die nächste größere Stadt ist Porto Natales. Hier fülle ich meine Vorräte auf und fahre zu einem 20km entfernten Reiterhof. Ich buche für den nächsten Tag einen Ausritt und übernachte, als einziger, auf dem angegliederten Campingplatz.

Ich stehe in einem kleinen Wäldchen mit uralten Bäumen. Warme Dusche und ein sauberes WC sind vorhanden. Außer mir sind an diesem abgelegen ruhigen und friedlichem Ort nur ein paar Schafe und ein zutraulicher Hirtenhund.
Die Pferde sind bereits gesattelt und startbereit. Wir sind nur zu siebt in der Gruppe. Wir bekommen Gamaschen, Helm und eine kurze Einweisung ins Western Reiten.
Was die Pferde so drauf haben ist schon bewundernswert. Normale Gäule würden da verweigern. Es geht rutschig und steil auf und ab und durch kleine Bäche. Alles leider nur im Schritt. Hätte ja gerne mal angaloppiert, aber der Gaul hat nicht so auf meine Kommandos regiert und es war wohl auch nicht erwünscht aus der Kolonne ausscheren.
Punta Arenas (Chile)
Auf dem Weg nach Punta Arenas übernachte ich nochmal frei. 200m entfernt von der Ruta 9 und versteckt zwischen Büschen. 😀
Die Ruta 9 heißt hier auch „Ruta del Fin del Mundo“ also Straße zum Ende der Welt
Die Landschaft ist in weiten Teilen flach wie eine Flunder. Der Wind zwingt mich aber hin und wieder einen Gang zurückzuschalten. Den Tempomat stelle ich auf 100km/h aber nicht immer schafft Azul das im 6.Gangh
Irgendwann wird die Monotonie durch „Waldgebiete“ unterbrochen. Knochige Bäume überwuchert von Flechten.
Punta Arenas, mit 130.000 Einwohnern die größte Stadt im chilenischen Südpatagonien. Viel weiter kommt man von hier auf dem Landweg nicht mehr in den Süden.
Die Auswahl an Campingplätzen ist hier sehr begrenzt. Ich stehe mal wieder auf dem Parkplatz/Einfahrt von einem Hostel. Es gibt eine warme Dusche und saubere Toiletten. Der Eigentümer ist unwahrscheinlich nett und markiert mir auf einer Karte die wichtigsten Dinge in der Stadt. Supermarkt, Restaurant und Sehenswürdigkeiten.
Es gibt einen triftigen Grund warum ich hier in und Punta Arenas bin. Zunächst dachte ich es ist cool hier zu sein und der kürzeste Weg über die Magellanstraße nach Feuerland. Ein Missgeschick beim letzten Grenzübergang Chile/Arg. bescherte mir ein Einreiseverbot nach Argentinien. Nach Zahlung einer ungerechtfertigten Strafe von 60$ könnte ich wieder frei reisen. Ich sollte das Online überweisen, aber wie und wo. Deshalb habe ich die arg. Botschaft in Punta Arenas aufgesucht, die mir dann die fehlenden Infos geben konnte.
Am nächsten Tag wollte ich ein Ticket für die Fähre über die Magellanstraße nach Feuerland kaufen, als man mir sagte für heute und morgen sind alle Überfahrten gecancelt wegen starkem Wind.
Es gibt hier nur 2 Fahrten/Tag. Die Chance einen Platz zu bekommen ist verschwindend gering und zeitlich unbestimmt. Eine Planänderung war schnell beschlossen. Ich fahre 160km zur nächsten Fähre.
Endlich kann ich mal die scheuen Strauße fotografieren, die mal nicht auf der Flucht sind. Diese Tiere hatte ich eigentlich Australien zugeordnet. In Chile und Argentinien sehe ich sie aber sehr häufig.
Ich fahre durch einen Geisterort, eine Hazienda aus dem 19.Jahrh., mit 2 Wracks am Strand. Es geht immer entlang der Magellanstraße.
Angekommen in Punta Delgada reihe ich mich in die Warteschlange. Wie erwartet ist auch hier der Fährbetrieb eingestellt. Ich hatte mich schon damit abgefunden hier auf der Straße zu übernachten, als unerwartet, nach 6h Wartezeit, der Fährbetrieb wieder aufgenommen wurde und uns nach Feuerland brachte.
Hallo Klaus,
So tolle Bilder, das würde ich gerne mal in original erleben. Die Landschaft ist atemberaubend
Hallo Birgit,
ja, das ist sie. Extrem und abwechslungsreich mit dem passenden Wetter dazu 😟
Du bist doch noch jung, pack die Badehose ein und ab nach Patagonien
Grüße vom ollen Bruder 😀
Hallo Klaus,
da reiht sich ja noch ein Highlight ans andere auf die letzten Wochen / Tage😢
Wirklich atemberaubende Aufnahmen. Genieß‘ den Rest Deines Abenteuers und komm gesund nach Hause
Ganz liebe Grüße, Steffen
Hi Steffen,
Ja, Patagonien war/ist einer meiner Sehnsuchtsorte. Die Rechnung ging auf, einschließlich der kühlen Temperaturen
und des extremen Winds. Leider überschattet der Gedanke an die Heimreise das Vergnügen etwas. Hier wäre ich gern
noch etwas geblieben.
Grüße
Klaus
Hi Klaus
Auf der einen Seite wünsche ich mir, dass Deine Reise mal langsam zu Ende geht, da man eigentlich nur noch mit offenem Mund dasitzt und nur staunen kann. Deine Berichte, Deine Bilder, irre ! Auf der anderen Seite wünsche ich Dir natürlich, dass Du Deine Reise weiter fortsetzen und geniessen kannst, d.h., ohne Probleme mit den Behörden, mit Deinem Camper, etc. Einfach Toll!
Hi Udo,
geht jetzt leider langsam zu Ende die gigantische Reise. Ich hoffe das Auto hält noch die letzten 3000km bis Montevideo.
Bisher haben wir ja alle Hindernisse gemeistert, da bin ich zuversichtlich nun auch bis in den sicheren Hafen zu kommen.
Wunderbare Bilder, tolle Reise die du machst. Liebe Grüße aus Ecuador von Michael und Bettina
Hola Bettina und Michael,
Vielen Dank.
IHR seit zu beneiden, ihr habt das alles noch vor euch. Ich würde, mit dem heutigen Wissen, gerne nochmal von Kolumbien nach Süden starten. Es ist hier alles so viel einfacher als in Zentralamerika. Es gibt soviel tolle Erfahrungen, die man macht. Bin schon ziemlich wehmütig, dass das Abenteuer für mich in 3 Wochen vorbei ist.
Wünsche euch noch viele tolle Momente