Kanada – die Mitte

Ontario

Auf der Fähre von Tobermory. Es regnet, zu sehen gibt es nix. Ich nehme einen Cappuccino to go, die Zeit vergeht schnell. Nach 2 Std. legt die Fähre in South Baymouth an. Ohne besondere Highlights geht es jetzt bis zum Trans Canada Highway. (TCH)
Der TCH ist meist 4-spurig (2 pro Richtung) manchmal aber auch wie eine Landstraße nur 2-spurig. Das Tempolimit wechselt, manchmal 80, 90 aber maximal 110 km/h. Ich stelle meinen Autopilot auf max. 100km/h. Ich habe Zeit und möchte Sprit sparen. PKWs, Busse und 40-Toner rollen an mir vorbei … was solls. Bis nach Calgary sind es nun ca. 3000km.
In Ontario ist die Landschaft relativ bergig mit viel Waldgebieten. Bei manchen Anstiegen muß ich einen Gang zurückschalten. Der Motor fällt ab bis auf 80km/h. In regelmäßigem Abstand stehen Schilder, die vor Tierwechsel (Elche) warnen. Ich habe schon über 3000km auf dem Tacho aber kein Tier gesehen. Und dann, unverhofft läuft im leichten Galopp eine ausgewachsene Elchkuh vor mir über die Straße. Ich gehe voll in die Eisen, für eine Foto war der Augenblick leider zu kurz.
Ca. 700km führt der TCH entlang des Lake Superior dem weltweit größten See. Zwei Übernachtungen habe ich auf dieser Etappe. Hinweisschilder am Highway weisen auf besondere Orte hin. Ich mache öfter mal einen Stop und spaziere am See entlang.

Manitoba

Der Straßenzustand in Kanada ist teilweise katastrophal. Das betrifft Landstraßen aber auch die Highways. Schlaglöcher sind oft 5-10cm tief und so groß dass das ganz Rad darin eintaucht. Oft denke ich hoffentlich halten die Reifen das durch. Aber nicht nur die Reifen werden beansprucht, die ganze Karosserie inkl. meinem Ausbau wird durchgeschüttelt. Manchmal ist es ein Hürdenlauf um die Löcher herum. Den großen Amischlitten mit 18″ Reifen macht das weniger aus, aber mein Kleiner und ich leiden schon sehr darunter. Nicht nur Schlaglöcher auch Bodenwellen und Spurrillen machen uns zu schaffen.
Noch etwas östlich von Winnipeg ist die Mitte von Kanada. Ich mache einem kurzen Stop in Winnipeg. Spaziere duch den Forks Park und esse eine Kleinigkeit im Forks Market. Für einen längeren Besuch hat mich hier nichts motiviert, ich mache lieber noch ein paar km Richtung Westen.
Ich übernachte auf dem Campingplatz Turtle Crossing. Es ist wie immer sehr ruhig auf dem Camping. Ich zahle $30 pro Nacht bei Barzahlung und beschließe hier einen Ruhetag einzulegen. Es gibt eine Waschmaschine und Trockner, es wird Zeit mal Wäsche zu waschen.

Saskatchewan

Nach dem Ruhetag, erreiche ich Saskatchewan. Es fing schon in Manitoba an, dass die Landschaft immer flacher wurde. In den 700km durch Saskatchewan hat sich daran nichts mehr geändert. Mal war es Ackerland bis zum Horizont auf dem noch nichts wuchs, mal war es Weideland auf dem manchmal Kühe zu sehen waren. Einmal bin ich vom Highway ab und ein paar km auf einer Schotterpiste ins Hinterland gefahren. Ich hätte wohl noch Stunden fahren können ohne das sich die Landschaft gravierend ändert.  

Kanadische Radiosender bekomme ich kaum. Nach etwas probieren ist es mir gelungen, das iPhone per Bluetooth mit dem Autoradio zu koppeln. Wenn das Handy mit dem wLan im Auto verbunden ist, kann ich per Musik-App Internetradio hören, z.B. SWF-3 . Oft habe ich gutes Netz, dann ist der Empfang völlig störungsfrei … genial.

Alberta

Langsam wird die Landschaft hügeliger, ich nähere mich dem Provinz Alberta. Am Horizont sehe ich Berge – die Rocky Mountains.
Ca. 150km bevor ich Calgary erreiche biege ich nach Norden ab. Ich hatte von einer besonderen Landschaftsform gelesen, die ich mir anschauen möchte. Die Willow Creek Hoodoos bei Drumheller. Der Ort ist bekannt wegen der Fossilien-Funde von Dinosauriern. Neben einem Dino-Museum gibt es hier die größte Dino-Statue der Welt. Das war aber nicht der Grund für mich hier her zu kommen, sondern das waren die Hoodoos und die besondere Landschaft.

Auf dem Weg nach Drumheller mache ich einen Stop bei einem alten Kohlebergwerk aus dem letzten Jahrhundert. Die Atlas Coal Mine ist National Historic Site

Angekommen bei den Hoodoos, bin ich zunächst ziemlich enttäuscht. Ich hatte mir das Areal mit den Hoodoos viel größer vorgestellt. Von diesen Gesteinssäulen aus Kalkstein gibt es dort tatsächlich nur eine Handvoll und die sind belagert mit hunderten von Touristen die für ein Selfie posieren.
Als am frühen Abend ein Gewitter aufzieht und es heftig zu regnen beginnt, sind fast alle ganz schnell verschwunden.  Der Parkplatz ist nun leer. Ich hatte vor hier zu übernachten. Zwei weitere Camper standen auch noch hier. Als der Regen aufgehört hat kamen sie aber wieder, die internationale Touristenschar. Es war ein Kommen und Gehen auf dem Parkplatz. Hier konnte ich nicht bleiben. Eine Schotterpiste führte noch ein Stück ins Hinterland. Der Regen hat die Fahrbahn ziemlich aufgeweicht. Ich finde trotzdem einen Stellplatz der einigermaßen eben ist und habe hier Ruhe vor dem Trubel und erlebe einen wunderschönen Sonnenuntergang und eine sehr ruhige Nacht.

Ich war schon sehr früh wach. Sonnenaufgang war um 05:30. Hier im Tal kam die Sonne aber noch nicht durch. Ich wollte die Hoodoos bei Sonnenaufgang fotografieren . Selbst um 7 Uhr lagen sie noch im Schatten. Vielleicht hätte ich länger warten sollen. Ein weiteres Highlight lag noch auf meiner Strecke, der Horseshoe Canyon. Eine surreale Landschaft mit prähistorischen Gesteinsformationen. Ich war absolut begeistert von dem Anblick und froh , dass ich morgens um 8 Uhr ganz allein hier war. Über Treppen konnte man hinabsteigen in den Canyon.  Ein magisches Gefühl hier durch das Tal zu laufen und unendlich viele Fotomotive.

Calgary

Von dem Canyon sind es nur 130km bis nach Calgary. Ich nutze den Nachmittag um die Stadt etwas zu erkunden. Die Wolkenkratzer in Downtown finde ich noch imposanter als die in Toronto. Vom Calgary Tower hat man einen 360° Blick über die Stadt und sieht in der Ferne bereits die Rocky Mountains. Da ich eigentlich noch einen Tag bleiben wollte, übernachte ich auf dem Parkplatz eines Walmarts. Der nächste Tag ist aber verregnet und so fahre ich weiter Richtung Banff.

Banff, Lake Luise, Jasper

Von Calgary nach Banff sind es nur 150km. In Kanada darf man überall wild campen wo es nicht explizit verboten ist. In Städten, National- und Provincial Parks ist es generell verboten. Auf vielen Parkplätzen und Rest-Areas stehen Schilder mit: “no overnight parking”.
Banff und Jasper liegen mitten in den gleichnamigen Nationalparks. Es gibt eine ganze Reihe von staatlichen Campingplätzen, die von der Parkverwaltung betrieben werden. Auf dem Two Jack Lakeside Campground in der Nähe von Banff bleibe ich 2 Tage. Ich wandere mit hunderten von anderen Besuchern durch den Johnson Canyon und mache am nächsten Tag noch kleinere Wanderungen in der näheren Umgebung.

Auf der Fahrt und später dann auch in der Umgebung von Jasper sehe mehrmals Schwarzbären am Straßenrand grasen. Von den vielen Autos, die dann anhalten und fotografieren, lassen sie sich nicht stören.
Sehr häufig sehe ich auch Wapitis einzeln oder in Gruppen. Beim Wandern und auf Rast- und Campingplätzen kann man täglich Streifen- und Erdhörnchen beobachten.
Neben der vielfältigen Tierwelt ist die Fahrt auf dem Icefield Parkway von Lake Luise bis Jasper ein einmaliges Landschaftserlebnis dass ich bei bestem Wetter geniessen darf.

Auf der Fahrt von Banff nach Jasper, mache ich einen Abstecher zum Marble Canyon  und einen Stop bei dem Highlight “Lake Luise“. Umgeben von schneebedeckten Bergen ist dieser See für seine türkise Farbe bekannt. Es sind hier wieder hunderte von Besuchern. Allein die Benutzung des Parkplatzes kostet 25€. 
Und das Beste: der See ist noch zugefroren und die Berge drumherum wolkenverhangen. Ich habe aber den Eindruck, außer mich stört das hier keinen.
Aus lauter Frust mache ich eine Wanderung zum Mirror See mit der Hoffnung, dass dieser Schnee- und Eisfrei ist. Ich laufe 4,5km über Eisplatten und durch Schneesulz ständig bergauf. Natürlich habe ich nur meine Halbschuhe an und keine Stöcke dabei.  Relativ erschöpft erreiche ich den See, von dem leider nichts als eine weiße Schneedecke zu sehen ist. Naja – der Weg ist das Ziel. Der Rückweg wird nun eine ziemliche Rutschpartie.

unterwegs zum Maligne Lake - Waldbrandreste

Auch bei Jasper habe ich für 2 Nächte einen Platz auf einem Camping gebucht.Ich fahre zu dem 60km entfernten Maligne Lake. Ein ähnliches Highlight wie der Lake Luise. Auch dieser türkisfarbene Bergsee ist leider noch größtenteils zugefroren.  Eine kurze Wanderung führt mich zum Moose Lake. Elche gab es hier leider nicht zu sehen. Ein deutsches Pärchen, das ich dort am See getroffen habe, erzählten mir von dem Valley of the Five Lakes Wanderweg. Der Empfehlung folgend, habe ich dort nun endlich farbenfrohe Bergseen bewundern dürfen.

Am folgenden Tag fahre ich weiter Richtung Nord-Westen. Bis zu meinem geplanten Grenzübergang nach Alaska sind es jetzt nur noch 2500km. Vorher habe Ichaber noch eine spannende Etappe durch den Yukon.

— es bleibt spannend —

Comments

  1. Dorothea Simmert says:

    Sehr geehrter Herr Hausmann,
    vielen Dank, dass Sie uns an Ihrer Reise teilhaben lassen. Besonders die Tierfotos von Kanada Mitte haben es mir angetan. Vielleicht können wir sie in unserem Aquarellkurs auch mal malen.
    Weiterhin eine gute Fahrt mit auch netten Begegnungen mit Menschen. Denn es scheint ja doch recht einsam dort zu sein.
    Donca (Frau von Nachbar Christian Dick)

    1. Klaus says:

      Hallo Donca,
      vielen Dank. Die Tierfotos können Sie gern als Malvorlage verwenden, falls Sie das gemeint haben. Einsam war es bisher nicht. Auf meinen Radreisen hatte ich allerdings mehr Kontakt zu Gleichgesinnten als jetzt mit dem Auto. Habe hier schon einige Deutsche getroffen die im Mietcamper unterwegs sind. Erst gestern 2 Radfahrer, die wie ich von Alaska bis Feuerland reisen wollen. Ein Paar aus Luxemburg, die mit ihrem Unimog ebenfalls die Panamericana fahren wollen. Ich werde immer an meinem deutschen Nummernschild erkannt und gleich auf deutsch angesprochen 😀
      Der erste einsame Abschnitt folgt in den nächsten Tagen im Yukon und NWT.
      Viele Grüße
      Klaus

  2. Christian says:

    Hallo Klaus,
    meine Frau hast Du mit Deinen Bildern aus Kanada richtig motiviert; d.h. ihren Nerv getroffen. Ich bin auch begeistert von der Vielfalt Deiner Reise, die noch gar nicht so lange währt.
    Dies ist nur eine kurze Meldung meinerseits, da ich für einen Segeltörn (Schweden – Finnland) noch packen muss. Um 3:00 a.m. muss ich aufstehen :-(. Also weiterhin gute Fortsetzung Deiner Reise und halte die Robert-Sch.-Str. weiterhin auf dem Laufenden.
    Beste Grüße,

    1. Klaus says:

      Hallo Christian,
      seit ich im Yukon bin ist nichts mehr mit Tierfotos. Die Tiere sind hier sehr scheu. Auf meinem Ausflug auf dem Dempster Hwy war zumindest die Landschaft grandios. Morgen, also am 3.Juni, erreiche ich Alaska. Mal sehen wie es dort wird. Hoffentlich ist das Handynetz besser als hier im Yukon.
      Wünsche Dir einen schönen Segelten.
      Grüße aus Dawson City

  3. Udo Kübler says:

    Hallo Klaus

    nach 10 Tagen Cornwall und 2 Wochen ohne Notebook, kann ich heute endlich Deinen Reise- bericht mit den wieder einmal einmaligen Bildern nur staunend geniesen. Ich kann nur sagen: wäre ich doch dabei, bei dieser tollen Tour ! Weiterhin alles Gute und bleib gesund.
    liebe Grüße…..Udo

    1. Klaus says:

      Hallo Udo,
      ich hoffe ihr hattet eine schöne Zeit in England und nicht so viel Regen wie in DE. Bin jetzt in Anchorage, leider auch etwas verregnet. Mal schauen was ich hier jetzt trotzdem unternehmen kann. Ich wollte noch im Denali-Park wandern. Dazu sollte es ab trocken sein.
      Viele Grüße
      Klaus

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